Hautpflege für Teenager: Warum weniger bei Akne und Pubertät mehr ist
Eine aktuelle BBC-Recherche zur Hautpflege bei Jugendlichen hat in den letzten Tagen Wellen geschlagen – und trifft bei mir einen ganz konkreten Nerv.

Einfache Hautpflege für Teenager: Was wirklich hilft – und fünf Tipps aus der Dermatologie
Der Bericht zeigt: Mehr als 80 Prozent der 13- bis 18-Jährigen erleben während der Pubertät Akne, und die ausufernden „Glass Skin"-Routinen aus den sozialen Medien schwächen die junge Hautbarriere häufig mehr, als sie ihr nützen. In meiner Kabine erlebe ich das jede Woche aufs Neue – Jugendliche, die mit zehn Wirkstoffen gleichzeitig starten und dann mit geröteter, schuppiger Haut bei mir sitzen. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf die fünf Expertentipps, die die britische Dermatologin Dr. Zainab Laftah und ihr Kollege Dr. Jonathan Kentley im BBC-Bericht teilen.
Die drei Basics, die wirklich zählen
Die wichtigste Botschaft gleich vorweg: Eine vollständige Teenager-Routine besteht aus genau drei Schritten – einem sanften Reiniger, einer parfümfreien Feuchtigkeitspflege und einem breitbandigen Sonnenschutz mit mindestens LSF 30. Das war es im Grunde schon.
Mehr Produkte sind nicht automatisch besser. Dr. Laftah warnt im Bericht, dass immer mehr Jugendliche sich erwachsenen Routinen mit Seren, Tonern, Masken und hochkonzentrierten Wirkstoffen angleichen – und damit ihre Hautbarriere nachhaltig schwächen. Dr. Kentley beobachtet sogar einen deutlichen Anstieg der sogenannten perioralen Dermatitis, also einer entzündlichen Reaktion rund um den Mund, ausgelöst durch übermäßigen Gebrauch exfolierender Säuren und Retinoide. Beide betonen, dass die Haut in der Pubertät noch in der Entwicklung ist und deshalb besonders behutsam behandelt werden will.
Für mich als Kosmetikerin heißt das: Weniger ist mehr. Lieber in Ruhe die Hautbarriere stärken, als jedem neuen Trend hinterherzujagen. Ein Ritual, das morgens und abends gleich aussieht, gibt Jugendlichen außerdem Struktur und Verlässlichkeit – etwas, das in dieser Lebensphase ohnehin wertvoll ist.
Wirkstoffe mit Bedacht – Salicylsäure ja, aber richtig dosiert
Ein Wirkstoff, der bei öliger und zu Unreinheiten neigender Teenagerhaut tatsächlich Sinn ergibt, ist Salicylsäure. Sie dringt in talggefüllte Poren ein und kann helfen, Ablagerungen aus Talg und abgestorbenen Hautzellen zu lösen. Dr. Laftah hebt im Bericht hervor, dass Salicylsäure für junge, zu Akne neigende Haut besonders hilfreich sein kann – warnt aber gleichzeitig vor unnötigem oder übermäßigem Gebrauch, der schnell zu Trockenheit und Reizungen führt.
In meiner Praxis empfehle ich Eltern und Jugendlichen daher: Lieber ein einzelnes Produkt mit Salicylsäure gezielt ein- bis zweimal pro Woche einsetzen und die Haut zwischendurch mit einer sanften, parfümfreien Pflege in Ruhe lassen. Die Hautbarriere wird es mit einem ausgeglichenen Teint danken.
Wann professionelle Hilfe wichtig wird
Dr. Kentley macht im BBC-Bericht unmissverständlich deutlich: Bei schwerer Akne oder hartnäckigen Hautproblemen gehört die Unterstützung in die Hände eines Hautarztes – nicht in Kommentarspalten sozialer Medien. Auch ich sehe in der Kabine regelmäßig, wie viel Leid hinter vermeintlich harmlosen Pickeln stecken kann, und wie erleichternd es für die Betroffenen ist, wenn endlich jemand mit medizinischem Blick draufschaut.
Ermutigend ist Dr. Laftahs Botschaft an die Jugendlichen selbst: Akne ist sehr, sehr verbreitet – und sie ist behandelbar. Sichtbare Poren, Mitesser, kleine Rötungen oder feine Narben gehören zur normalen Pubertät dazu. Niemand muss einer überfilterten Realität hinterherlaufen.
Was den Alltag wirklich stützt
Neben der richtigen Pflege spielen Lebensstilfaktoren eine Rolle, die wir Kosmetikerinnen im hektischen Alltag oft unterschätzen: ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung. Dr. Laftah weist im Bericht darauf hin, dass erhöhte Cortisolwerte – etwa durch zuckerreiche Ernährung oder zu wenig Schlaf – mit vermehrten Unreinheiten in Verbindung stehen.
Ich erlebe das oft bei meinen Kundinnen und Kunden: Eine kleine Routine mit weniger Schritten, ein fester Schlafenszeit-Rhythmus und ein Ritual, das nicht jede Woche neu erfunden wird, bringen mehr als jedes neue Serum. Geben Sie der Haut Zeit, sich zu regulieren, gönnen Sie ihr Ruhepausen von zu vielen Produkten – sie wird es Ihnen mit einem ruhigeren Hautbild zurückgeben.